Rahmebaukurs Fragen und Antworten – Michael

Disc Racer DOTS!!!
19. August 2021

Wie bist du auf die Idee gekommen, deinen eigenen Rahmen zu bauen?

Ich bin seit 30 Jahren in der Augsburger Vespa-Szene aktiv und habe immer wieder alte Vespas und Lambrettas restauriert, weil ich Mechanik und das Arbeiten mit Metall schon immer spannend fand. In den letzten Jahren hab ich aber irgendwie zum Fahrrad gefunden, weil das (vermeintlich) einfacher ist. Und es passen mehr spannende Fahrräder in den Keller als alte Motorroller :-). Man(n) kann also mehr Zeug haben….

Zuerst habe ich alte Stahlrennräder restauriert, bin aber dann auch wieder zu Mountainbikes zurückgekommen, was Anfang der 90er richtig mein Ding war. Die Idee mit dem Rahmenbaukurs entstand lange vor der Entscheidung, was ich eigentlich bauen will. Nach der Restauration und dem Aufbau von Räder auf einem vorhandenen Rahmen ist der Rahmenbau einfach die nächste Stufe.

Warum hast du dich für diesen Rahmen entschieden? Was hast du damit vor?

Ich finde ja immer vieles spannend und bin sehr neugierig…daher kann ich mich oft nicht für eine Sache entscheiden. Ein Trail Hardtail wollte ich sowieso haben, aber das Thema Gravel hat mich auch fasziniert. Daher habe ich bei Robert zwei Rahmen gebaut. Einmal einen zum großen Teil gemufften Gravel-Rahmen und ein fillet-brazed Trail Hardtail.

Was ist für dich das besondere an deinem selbst gebauten Rahmen?

Idealerweise hat der Bau eines Stahlrahmens für mich etwas meditatives und entspannendes. Heißes Metall, sehr heiße Flammen…sehr archaisch. Ich mag das Material, das verhältnismäßig einfach zu bearbeiten ist und dennoch tolle Eigenschaften hat. Stahl ist von allen gängigen Rahmenmaterialien am einfachsten und mit dem niedrigsten Energieaufwand in eine verarbeitungsfähige Form zu bringen, läßt sich einfach be- und verarbeiten und sogar vergleichsweise leicht wieder verwerten.

Das Besondere ist aber, mit diesem Material etwas selbst bauen zu können, womit man tatsächlich „rumfahren“ kann…und dabei kommt kein krude zusammengebruzeltes, tonnenschweres Hollandrad raus, sondern eine hochwertige, gut laufende Maschine.

Dazu kommt die exakte Vermessung und individuelle Erstellung der passenden Rahmengeometrie durch Robert, der dafür über langjährige Praxis und große Erfahrung verfügt und mir eine Menge meiner Schnapsideen ausgeredet hat – was dann zu einem sehr erstaunlichen guten Fahrrad geführt hat. Einzahl deswegen, weil bis jetzt nur das Hardtail fertig ist…für´s Gravelbike bekomme ich derzeit keine Antriebsteile (Fahrradboom-Corona-Liefersituation).

Wie war die Zeit im Rahmenbaukurs für dich?

…zu schnell vorbei! Dazu ein großer Spaß und unglaublich viel zu lernen.

Wie fährt sich dein fertiges Bike?

Für ein Hardtail irgendwie überraschend bequem, bzw. auf den Trails nicht so bockhart wie erwartet. Dazu ist die Geometrie irgendwie…sehr gelungen: wendig genug, aber sehr „safe“, d.h. ich fahre damit Sachen runter, bei denen sich mein Fully nicht so sicher anfühlt.

Ein befreundeter Fahrradhändler ist damit gefahren und meinte „geile Geometrie“. Mit einem anderen Freund habe ich auf unseren lokalen Trails Bikes getauscht und habe das Hardtail den Rest des Nachmittags nicht mehr zurückbekommen. Beruhigend: er wiegt 10kg mehr als ich, also war das gleich der Test, ob das Konstrukt auf den Trails unter einem auseinander bricht. Ist es nicht. 

Wen es interessiert: die Basis der Geo für das Hardtail ist das Orange P7 29 2019, allerdings mit einigen Anpassungen auf meine Körpermaße und nicht ganz so tiefem Tretlager. Der Sitzwinkel musste von 74° auf 75°  geändert werden, weil ich beim Rohre ablängen einen Fehler gemacht habe – ein happy accident, weil der Trend eh zu steileren Sitzwinkeln geht. Inzwischen würde ich sogar auf 76° gehen :-).

Wie bist du auf mich gestoßen und woher kennst du die Rahmenbaukurse?

Ich habe sicher seit 2016 immer wieder im Netz recherchiert, ob so etwas überhaupt möglich ist und wer Kurse anbietet. Big Forest Frameworks war mir von allen Möglichkeiten schon gleich sehr sympathisch. In der Zeit hat dann Spiegel-Online eine spannende Reportage über Robert und seine Kurse gebracht und da  war´s dann eigentlich entschieden :-). Habs nicht bereut!

Robert Piontek
Ja, das bin ich - Doktor der Astrophysik / Verkauf / Marketing / Web Design / Rahmenbauer / Künstler / Visionär / Test Pilot / Team Rider

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