
Gebaut im eigenen Keller
6. Oktober 2026
Can You Really Build a Bicycle Frame at Home?
14. Oktober 2026Jan will es genau wissen
Als Jan das Radfahr-Fieber packte, wusste er nicht einmal, wie man ein Schaltwerk einstellt.
Ein paar Jahre später hatte er ein Fahrrad von A bis Z neu gestaltet.
Und irgendwann war der nächste Schritt klar.
Er wollte nicht mehr nur mit den Teilen arbeiten, die es bereits gab. Er hatte eigene Ideen im Kopf und wollte sie in einem selbst gebauten Rahmen umsetzen.
Immer ein bisschen tiefer
Jan ist 32 Jahre alt, in Bayern auf dem Land aufgewachsen und, wie er selbst sagt, „im Herzen ein europäisches Großstadtkind“.
Beruflich arbeitet er in der Softwareentwicklung.
Wenn ihn ein Thema interessiert, will er es nicht nur oberflächlich verstehen.
„Wenn mich ein Thema interessiert, habe ich immer einen Drang, es bis in die Tiefe zu verstehen.“
Beim Fahrrad war es genauso.
Vom Einstellen eines Schaltwerks ging es irgendwann zum kompletten Fahrrad.
Und vom kompletten Fahrrad zum Rahmen.
Was für ein Fahrrad sollte es werden?
Am meisten Spaß hat Jan bei BRMs, also langen Brevets.
Daher kam auch ein großer Teil der Inspiration für seinen ersten Rahmen.
Er wollte ein Fahrrad, das bequem ist, sowohl vom Bike-Fit als auch von der Steifigkeit. Es sollte leicht genug sein, dass es bei langen Steigungen nicht unangenehm auffällt. Und es sollte genug Platz bieten, um das Gepäck für lange Ausfahrten elegant unterzubringen.
Auch die Details waren ihm wichtig.
Zum Beispiel wollte er Führungsrohre für die Kabel einbauen, sogar durch die Kettenstreben.
Gerade bei solchen Details war für Jan ein Aspekt des Onlinekurses besonders hilfreich:
Er hatte Zeit.
Bauen, stoppen, verstehen, weitermachen
Jan gehört nicht zu den Menschen, die einfach anfangen und unterwegs schauen, was passiert.
Er sammelt lieber erst möglichst viele Informationen, denkt sich durch den Prozess und fängt dann an.
Das funktionierte für ihn beim Onlinekurs gut.
Und wenn etwas nicht so lief wie erwartet, konnte er eine Pause machen.
„Das hat mir Zeit gegeben, die Dinge tiefer und genauer zu verstehen.“
Ein Beispiel dafür war der Lötbrenner.
Löten war für Jan neu und vor dem Kurs auch sein größtes Fragezeichen. Statt einfach nur eine bestimmte Abfolge auswendig zu lernen, wollte er verstehen, wie der Brenner funktioniert, warum Sauerstoff und Propan in einer bestimmten Reihenfolge geöffnet und geschlossen werden und wie das mit der Einstellung der richtigen Flamme zusammenhängt.
„Ich wollte verstehen, was für einen wohl-ausgerichteten Rahmen wichtig ist, und wie man eine Rahmenlehre ergonomischer gestalten kann. Deshalb habe ich passend zu Robert’s Fixter Jig eine Adapterplatte für die Dummy-Achse konstruiert.“
Er konnte sich die Zeit dafür nehmen.
Und dann weiterbauen.
„Building a frame is easy.“
Eine Sache hatte Jan vor dem Kurs übrigens nicht:
Zweifel daran, ob er überhaupt einen Fahrradrahmen bauen kann.
Auf der Bespoked 2026 hörte er einen Vortrag von Tullen von Sentient Bikes. Jan erinnert sich sinngemäß an eine Aussage, die seine eigene Einstellung ziemlich gut beschreibt:
Einen Rahmen zu bauen ist nicht schwer. Es wirklich gut zu machen ist schwer. Aber wenn man für sich selbst baut, ist das in Ordnung.
Die handwerkliche Arbeit war für Jan grundsätzlich nicht fremd. Mit Metallarbeit und Werkstattarbeit hatte er bereits Erfahrung.
Trotzdem haben sich beim Rahmenbau einige seiner Fähigkeiten weiterentwickelt.
„Ich kann jetzt definitiv besser feilen und bohren als ich das vorher konnte :D.“
Dabei gab es auch ein paar überraschende Erkenntnisse.
Zum Beispiel, wie unterschiedlich sich verschiedene Stahlsorten bearbeiten lassen.
„Wenn man einmal ein paar Rohre von Columbus gefeilt hat, fühlt sich Baustahl butterweich an.“
Und noch etwas hat ihn überrascht:
„Dass die Lotstäbe das teuerste am ganzen Spaß sind :’D“
Der erste Rahmen war gar nicht für ihn
Und dann kommt der Teil der Geschichte, mit dem ich nicht gerechnet hatte.
Jan hat seinen ersten Rahmen gar nicht für sich selbst gebaut.
Er hat das Fahrrad für eine viel kleinere Person entworfen und damit ist es viel zu klein für ihn.
Trotzdem ist er es natürlich gefahren.
Und obwohl es ihm eigentlich nicht passt, fand er es überraschend angenehm zu fahren.
Jetzt bekommt das Fahrrad seine rechtmäßige Eigentümerin.
Jan ist gespannt, was sie dazu sagen würde.
Und sein eigenes Fahrrad?
Das kommt als Nächstes.
Diesmal tatsächlich für ihn.
Das Design existiert bereits in CAD.
Es wird wieder eine Randonneuse mit Gravel-Einfluss. Nur eine wichtige Frage ist noch nicht geklärt:
Wird es ein faltbares Reiserad oder ein Weight-Weenie-Design?
Und danach?
Jan hat schon Ideen.
Für Rahmen Nummer 3.
und Nummer 4.




