
Wie viel Platz braucht man zum Rahmenbauen?
21. Oktober 2026Mein erster Double. Vierzig Jahre Anlauf.
Heute Morgen habe ich mit 52 Jahren etwas geschafft, wovon ich seit mehr als 40 Jahren träume.
Ich bin auf dem Pumptrack meinen ersten richtigen Double gesprungen.
Ich weiß, das klingt nach nicht besonders viel. Ist es auch nicht.
Aber ich fange besser vorne an.
Den Pumptrack entdecken
Letztes Jahr hat Potsdam einen neuen Pumptrack bekommen. Das ist eine Rundstrecke mit kleinen Hügeln und Steilkurven. Statt zu treten, drückt man das Fahrrad mit Armen und Beinen in die abfallenden Seiten der Hügel und nimmt so immer mehr Geschwindigkeit auf.
Ich war noch nie auf einem gefahren. Aber ich dachte, meinem Sohn könnte das Spaß machen. Also haben wir es ausprobiert.
Ich war mit meinem Gravelbike unterwegs, er mit seinem normalen Stadtrad. Wir hatten Spaß. Aber so richtig verstanden habe ich das Ganze erst beim nächsten Besuch, als ich sein 20-Zoll-Rad ausprobiert habe.
Ich bekam langsam heraus, wie das mit dem Pumpen funktioniert, und schaffte es irgendwann ohne Treten um die ganze Strecke. Dann kam meine Tochter mit ihrem 24-Zoll-Rad dazu, das ich ihr gebaut hatte.
Noch besser!
Es hatte mich gepackt. Ich brauchte ein Pumptrack-Rad.
Also ließ ich meinen Praktikanten Cody einen Rahmen für mich bauen. Den habe ich dann schnell zusammengebaut, größtenteils mit Teilen, die noch in der Werkstatt herumlagen. Kein Lack. Ich wollte einfach nur fahren!
Hier ist das Rad:

Was für ein Unterschied!
Ich fühlte mich SO SCHNELL.
In diese Steilkurven hineinzufliegen war unglaublich. Jedes Mal dachte ich, jetzt sterbe ich.
Aber ich starb nicht.
Und das war das Erstaunliche daran. Ich schoss aus der Kurve heraus, saß irgendwie immer noch auf dem Rad und wollte sofort noch eine Runde fahren.
Ich konnte nicht genug davon bekommen.
Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so begeistert vom Radfahren gewesen war.
Diese Kinder können FLIEGEN!
Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich zum ersten Mal ein Kind über den kleinen Double springen sah.
Ein Double besteht im Grunde aus zwei Hügeln mit einer Lücke dazwischen. Statt über beide hinwegzurollen, springt man vom ersten ab und landet auf der abfallenden Rückseite des zweiten.
Ich war völlig baff. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass man darüber springen kann!
Einige Zeit später sah ich dann ein paar Kinder, die alle drei Doubles auf der Sprunglinie übersprangen.
Ich konnte kaum glauben, dass das möglich war.
Als Kind bin ich mit meinen Freunden BMX gefahren. Pumptracks oder richtige Sprünge hatten wir nicht. Also haben wir hauptsächlich auf ebenem Boden irgendwelche Tricks ausprobiert.
Ich bin mit BMX-Filmen aufgewachsen und habe den Sport über die Jahrzehnte weiterverfolgt. Von BMX über Freeride und Slopestyle bis zu Crankworx und Rampage.
Ich habe mich immer gefragt, wie es sich wohl anfühlt, mit einem Fahrrad durch die Luft zu fliegen.
Und jetzt stand ich mit 52 Jahren da und sah einer Gruppe Kinder dabei zu, wie sie genau das machten, wovon ich schon als Kind geträumt hatte.
Aber diesmal schaute ich ihnen nicht im Fernsehen zu. Wir waren zusammen auf derselben Strecke unterwegs.
Es war echt. Es war offensichtlich möglich.
Aber konnte ich das auch?
Fliegen lernen
Ich fing an, am kleinen Double zu üben. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann kam ich drüber.
Jetzt wollte ich den ersten Double auf der Sprunglinie schaffen.
Und das war eine ganz andere Geschichte.
Ich kam nicht einmal annähernd weit genug.
Nach der großen Steilkurve kommt nur noch ein kleiner Hügel vor dem Sprung. Kaum Zeit, sich vorzubereiten. Das Ganze fühlt sich lebensmüde an.
Hier bin ich in der Kurve vor dem Double …

Ich kaufte mir einen Fullface-Helm, lieh mir ein paar Skateboard-Schoner aus der Familie und übte weiter.
Bei den Kindern sah es mühelos aus. Sie flogen einfach über die Sprünge.
Ich flog wie ein Stein.
Ich fragte sie, was ich falsch machte.
Anscheinend war ich nicht schnell genug.
Ernsthaft? Ich hatte doch schon das Gefühl, gleich zu sterben!
Aber sie hatten recht. Ich konnte schneller fahren. Sogar deutlich schneller.
Ich schaute mir ein paar Tutorials an, arbeitete an meiner Technik und übte weiter. Ich kam näher ran, schaffte es aber immer noch nicht.
Irgendwann filmte ich mich selbst.
Das war ernüchternd!
Obwohl ich mich unglaublich schnell fühlte, war ich längst nicht so schnell unterwegs wie die Kinder. Außerdem pumpte ich nicht kräftig genug über die Hügel und drückte mich am Absprung nicht genug ab.
Also hatte ich einen Plan.
Mehr Tempo. Kräftiger pumpen. Stärker abdrücken.
Und damit sind wir bei heute Morgen.
Heute könnte es klappen
Ich fuhr zum Pumptrack und dachte, vielleicht wäre es heute endlich so weit.
Natürlich dachte ich das nicht zum ersten Mal. Wahrscheinlich eher zum fünften Mal.
Aber diesmal hatte ich sogar mein Stativ dabei, um den Moment festzuhalten.
Nach dem Warmfahren filmte ich fünf Versuche.
Und irgendwie lief es SCHLECHTER als vorher.
Ich kam immer zu kurz und landete oben auf dem zweiten Hügel.
Hier ist einer dieser Versuche …
Ich verstand es nicht.
Frustriert schaltete ich die Kamera aus.
Ich fuhr noch ein bisschen herum. Dann kam ein kleiner Junge mit seinen Eltern. Vielleicht fünf Jahre alt.
Ich schaute ihm eine Weile beim Fahren zu. Er hatte einen Riesenspaß.
Irgendwann beschloss ich, es noch einmal zu versuchen.
Schneller.
Kräftiger pumpen.
Stärker abdrücken.
Und plötzlich lief es besser.
Noch ein Versuch.
Ich kam aus der Steilkurve geschossen, pumpte über den kleinen Hügel und drückte mich am Absprung kräftig ab.
Und dann …
ICH HATTE ES GESCHAFFT!
Ich flog durch die Luft und landete sanft auf der anderen Seite.
Kein fieser Schlag, weil mein Hinterrad oben auf dem Hügel einschlug.
Keine holprige Landung.
Nur dieses unglaubliche Gefühl, in der Luft zu sein. Und danach eine vollkommen weiche Landung auf der abfallenden Rückseite.
Ich wusste es sofort.
Ich war drüber.
ICH KONNTE ES NICHT GLAUBEN!
Nach all dem Üben, der Frustration, der Geduld, der Angst und dem Spaß hatte ich es endlich geschafft.
Es war einer der unglaublichsten Momente, die ich je auf einem Fahrrad erlebt habe.
Vierzig Jahre später
Ich sitze hier, schreibe das auf und weine.
Ich weiß, das klingt vielleicht lächerlich. Ich bin ein 52-jähriger Mann, der gerade mit einem Fahrrad über ein paar Hügel gesprungen ist.
Auf dem Pumptrack fahren kleine Kinder, die das können, ohne auch nur darüber nachzudenken.
Es gibt Fahrer, die Rückwärtssaltos machen, riesige Sprünge springen und Tricks zeigen, die ich nicht einmal ansatzweise begreife.
Aber darum geht es eigentlich nicht.
Mehr als 40 Jahre lang habe ich unglaublichen Fahrern dabei zugesehen, wie sie durch die Luft fliegen. BMX, Freeride, Slopestyle, Crankworx, Rampage.
Ich habe mich immer gefragt, wie sich das wohl anfühlt.
Und heute Morgen habe ich es endlich herausgefunden.
Es war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und noch besser.
Für einen Moment schaute ich niemand anderem dabei zu, wie er etwas Unglaubliches machte.
Ich machte es selbst.
Ich glaube, deshalb bedeutet mir das so viel.
Es geht nicht wirklich darum, einen bestimmten Sprung zu schaffen.
Es geht darum, zu entdecken, dass etwas, wovon ich als Kind geträumt habe, immer noch möglich ist. Darum, mich so aufs Radfahren zu freuen, dass ich es kaum erwarten kann, aus dem Haus zu kommen. Darum, etwas völlig Neues zu lernen, Angst zu haben, frustriert zu sein, Fortschritte zu machen und schließlich etwas zu erleben, das ich mir selbst nie wirklich zugetraut hätte.
Heute Morgen bin ich hingefahren und habe gehofft, endlich diesen Double zu schaffen.
Nach Hause gekommen bin ich mit etwas viel Größerem.
Und jetzt verstehe ich, warum die Kinder immer wieder springen.
Warum sie wiederkommen.
Und warum ich ihnen einen so großen Teil meines Lebens zugeschaut habe.
Wenn du bis hierher gelesen hast und einen Pumptrack in der Nähe hast: Fahr hin und probier ihn aus.
Vielleicht verändert er auch dein Leben.




