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Gebaut im eigenen Keller

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Vom alten Trekkingrad zum selbst gebauten All-Terrain-Bike

Jann fährt seit über 30 Jahren dasselbe Trekkingrad.

Er kaufte es als junger Mann in Braunschweig. Über die Jahre hat er vieles daran selbst repariert, manches reparieren lassen und das Rad immer weiter gefahren.

Irgendwann sah man ihm die Jahre allerdings an. Hier und da Rost, optisch nicht mehr ganz frisch.

Eigentlich wollte Jann es komplett restaurieren.

Dann brauchte seine Lebensgefährtin ein neues Fahrrad.

Und beim Stöbern im Internet entdeckte Jann das Bild eines All-Terrain-Bikes einer kleinen Fahrradmanufaktur in Großbritannien.

Damit änderte sich der Plan.

Er wollte nicht mehr nur sein altes Fahrrad restaurieren.

Er wollte selbst zwei Fahrräder bauen. Eines für sich und eines für seine Lebensgefährtin.

Aber wie baut man einen Fahrradrahmen zu Hause?

Jann ist 57, kommt ursprünglich aus Hamburg und lebt heute mit seiner Lebensgefährtin in Ellerau bei Quickborn.

Als Kälteanlagenbau-Meister bringt er einiges an Erfahrung in der Metallbearbeitung und beim Löten von Rohren mit. Seit 2019 arbeitet er allerdings fast ausschließlich im Büro im Service Support einer großen Kältefirma in Hamburg.

Als die Idee mit den beiden Fahrrädern konkreter wurde, suchte er nach einem Rahmenbaukurs in Deutschland und landete schließlich auf meiner Website.

Ein Kurs bei mir in Potsdam kam für ihn zu diesem Zeitpunkt nicht infrage. Zeitlich und finanziell passte es einfach nicht.

Aber bei unserer ersten Kontaktaufnahme ergab sich eine andere Möglichkeit.

Ich war gerade dabei, meinen ersten Online-Rahmenbaukurs zu starten.

Jann meldete sich an.

Und damit kam die Sache ins Rollen.

Erst einmal eine Werkstatt bauen

In den ersten Online-Meetings lernte Jann die anderen Teilnehmer kennen.

Wir beschäftigten uns mit der notwendigen Werkstattausstattung, den Grundlagen des Rahmenbaus und den verschiedenen Materialien.

Und dann musste Jann erst einmal die Voraussetzungen schaffen, um überhaupt einen Rahmen bauen zu können.

Er stellte sich eine Rahmenlehre zusammen und baute sie selbst.

Danach suchte er sich die Rohre und die anderen benötigten Materialien im Internet zusammen.

Bis dahin lief alles ziemlich gut.

Dann kam BikeCAD.

„Ich dachte damals, das wird wohl nichts.“

Mit BikeCAD sollte Jann seinen Rahmen planen.

Das funktionierte nicht besonders gut.

Eigentlich überhaupt nicht.

„Ich kann immer noch nicht damit umgehen…!!!“

Während andere Teilnehmer schon deutlich weiter mit ihrer Planung waren, hatte Jann das Gefühl, nicht hinterherzukommen.

„Ich dachte damals, das wird wohl nichts…“

Also brauchte er eine andere Lösung.

Statt seinen Rahmen komplett neu am Computer zu entwerfen, nahm er die Geometrie seines alten Fahrrads als Ausgangspunkt und veränderte sie für das neue Rad.

Das reichte.

Der Rahmenbau konnte beginnen.

Was braucht man eigentlich, um zu Hause einen Rahmen zu bauen?

Bei der handwerklichen Arbeit hatte Jann deutlich weniger Bedenken.

Metallbearbeitung und das Löten von Rohren gehören schließlich zu seinem beruflichen Hintergrund.

Trotzdem finde ich seine Einschätzung interessant, was man tatsächlich braucht, um einen Fahrradrahmen zu Hause zu bauen.

„Im Grunde genommen reichen die Rahmenlehre, Feilen, Rohrschneider, Bügelsäge, ein Propan-/Sauerstoffbrenner, Schleifpapier und etwas Ausdauer, um den Rahmen nach Anleitung per Onlinekurs zu fertigen.“

Und natürlich braucht man jemanden, der einem zeigt, was man damit machen soll.

Jann arbeitete sich durch die einzelnen Schritte des Rahmenbaus, mit den Videos, meinen Erklärungen und unseren gemeinsamen Online-Meetings als Begleitung.

Dabei konnte ich übrigens auch etwas von ihm lernen.

Aufgrund seiner beruflichen Erfahrung übernahm Jann einen Teil unserer Sicherheitsunterweisung zum Löten.

So wurde aus dem Kurs stellenweise tatsächlich das, was ich mir erhofft hatte: nicht nur Unterricht von mir an eine Gruppe, sondern eine Gruppe von Leuten mit unterschiedlichen Erfahrungen, die auch voneinander lernen.

Und dann baute er einfach weiter

An einer Stelle hatte ich Jann allerdings von einer Idee abgeraten.

Er wollte nicht nur den Rahmen selbst bauen.

Er wollte auch die Gabel bauen.

Und den Lenker.

Und den Gepäckträger.

Ich fand, für das erste Projekt wäre der Rahmen eigentlich genug.

Jann offenbar nicht.

Nach etwas Recherche im Internet baute er Gabel, Lenker und Gepäckträger ebenfalls selbst.

Und wenn man schon dabei ist:

Die Laufräder speichte er natürlich auch noch selbst ein.

Der Moment der Wahrheit

Irgendwann stand der erste Rahmen fertig in Janns Werkstatt.

Und er war überrascht.

„Ich war überrascht, dass der erste Rahmen so gerade und stabil war. Ich hätte erwartet, ihn mehr richten zu müssen.“

Danach gingen die Teile zum Lackierer.

Als sie zurückkamen, konnte Jann endlich das Fahrrad zusammenbauen.

Ganz problemlos ging auch das nicht. Vor allem die Schaltung machte Schwierigkeiten.

Vom Beginn des Projekts bis zum fertigen Fahrrad verging ungefähr ein Jahr.

Dann war es soweit.

Jann stieg auf sein selbst gebautes Fahrrad.

Und fuhr los.

Mit klopfendem Herzen durch den Ort

Jann beschreibt seine ersten Kilometer so:

„Es war richtig berauschend, die ersten Kilometer zu fahren, nachdem ich das erste Mal aufgestiegen und losgeradelt bin.“

Er fuhr mit klopfendem Herzen durch den Ort.

Nicht auf einem Fahrrad, das er irgendwo gekauft hatte.

Vor ihm waren ein Rahmen, eine Gabel, ein Lenker, ein Gepäckträger und Laufräder, die wenige Monate zuvor noch überhaupt nicht existiert hatten.

Jetzt war daraus ein Fahrrad geworden.

Sein Fahrrad. Gebaut in seinem eigenen Werkstattkeller.

Mittlerweile ist Jann damit auch in Boltenhagen unterwegs gewesen. Wenn die beiden einen Kurzurlaub machen und die Fahrräder mitkommen, ist sein selbst gebautes Rad dabei.

Das war wahrscheinlich nicht das letzte

Eigentlich hatte die ganze Geschichte mit Janns altem Trekkingrad angefangen.

Dem Fahrrad, das er seit über 30 Jahren besitzt und ursprünglich restaurieren wollte.

Auch dafür gibt es inzwischen einen neuen Plan.

Es soll ein Lastenrad werden.

Und dann wäre da natürlich noch das zweite Fahrrad, wegen dem die ganze Idee überhaupt erst entstanden ist.

Das Fahrrad für seine Lebensgefährtin muss noch gebaut werden.

Und offenbar sind das nicht die einzigen Projekte, die Jann inzwischen im Kopf hat.

„Ich denke, es werden also noch weitere DIY-Bikes folgen…“

Es gibt nur noch ein kleines Problem.

Jann muss vorher seinen Werkstattkeller aufräumen. 😅

Robert Piontek
Ja, das bin ich - Doktor der Astrophysik / Verkauf / Marketing / Web Design / Rahmenbauer / Künstler / Visionär / Test Pilot / Team Rider

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