
Zurück im Bikepark, diesmal mit meinem Sohn
26. September 2026Fast 30 Jahre später: Achim baut seinen eigenen Fahrradrahmen
Achim hatte schon einmal darüber nachgedacht, seinen eigenen Fahrradrahmen zu bauen.
Das war vor fast 30 Jahren.
Damals arbeitete er während seines Studiums in einem Fahrradladen. Dort verkauften sie unter anderem fillet-brazed Rahmen von Achim Nöll.
Die Idee, selbst einmal einen Rahmen zu bauen, war also schon damals da.
Aber wie das manchmal so ist, kam das Leben dazwischen.
Heute lebt Achim mit seiner Frau, seinen Kindern und seinem Hund in Gießen und arbeitet im Pharma-Bereich. Mit Fahrrädern hat er natürlich trotzdem nie aufgehört.
Und irgendwann war die alte Idee wieder da.
Ich möchte einen Rahmenbaukurs machen.
Dieses Mal sollte es nicht bei der Idee bleiben.
Achim fragte zunächst ein paar Freunde, ob jemand mitkommen wollte.
Niemand konnte sich dazu durchringen.
Also eben alleine.
Aus dieser Kiste soll ein Fahrradrahmen werden?
Achim hatte keine großen Zweifel daran, dass er den Rahmen bauen konnte.
Er hielt sich für handwerklich einigermaßen begabt und wusste schließlich auch, dass er während des Kurses Unterstützung bekommen würde.
Trotzdem erinnert er sich noch genau an einen Moment am Anfang der Woche.
Vor ihm stand eine Kiste mit den Rohren für seinen Rahmen.
Und er dachte:
„Da steht eine Box mit den Rahmenrohren … und daraus soll jetzt ein Rahmen werden?“
Genau das war der Plan.
Achim wollte ein Gravelbike bauen. Mittlerweile fährt er lieber abseits der Straße, und bei seinem neuen Rahmen hatte er ziemlich konkrete Vorstellungen: ein längeres 44-mm-Steuerrohr, T47-Innenlager, innenverlegte Züge und ein etwas voluminöseres Unterrohr.
Dann ging es los.
Jetzt wird’s ernst
Viel Erfahrung mit Metallbearbeitung hatte Achim vorher nicht.
Während seines Studiums hatte er in einem Praktikum einmal ein Hochlastregal zusammengeschweißt. Das war bis dahin seine einzige wirkliche Erfahrung mit Schweißen oder Löten.
Umso mehr ist ihm ein anderer Moment aus der Kurswoche im Gedächtnis geblieben:
Das erste Mal den Brenner in der Hand.
„Jetzt wird’s ernst :))“
Bevor es an den eigentlichen Rahmen ging, wurde natürlich geübt.
Und eine dieser Übungsverbindungen musste anschließend dran glauben.
Zumindest war das der Plan.
Achim versuchte, die Lötverbindung wieder auseinanderzubekommen. Am Ende brauchte es zwei Personen und größten Krafteinsatz, um sie zu zerstören.
Seine Erkenntnis:
„Der Rahmen hält also was aus!!!“
Dann konnte es mit dem echten Rahmen weitergehen.
Eine Woche lang etwas mit den Händen machen
Für Achim ging es bei dem Kurs nicht nur darum, am Freitag einen fertigen Fahrradrahmen mit nach Hause zu nehmen.
Normalerweise arbeitet er eher mit dem Kopf. Im Beruf ist er viel unterwegs.
Eine ganze Woche lang etwas völlig anderes zu machen, mit den eigenen Händen etwas entstehen zu lassen und am Ende tatsächlich einen fertigen Rahmen vor sich zu haben, war ein wichtiger Teil der Erfahrung.
Nur eine Sache hatte er unterschätzt:
Das Verschleifen der Lotnähte.
Das hatte er sich deutlich weniger anstrengend vorgestellt. 😉
Aber irgendwann war aus der Kiste voller Rohre tatsächlich ein Fahrradrahmen geworden.
Sein Fahrradrahmen.
Und wie fährt er?
Inzwischen ist aus dem Rahmen ein fertiges Gravelbike geworden.
Achim mag das Fahrgefühl von Stahl. Für ihn filtert der Rahmen feine Vibrationen angenehmer heraus als ein Carbonrahmen, und zusammen mit der auf ihn angepassten Geometrie fährt sich das Rad genauso, wie er es sich vorgestellt hatte.
Bisher war er damit hauptsächlich rund um Gießen unterwegs.
Als Nächstes geht es mit Freunden an den Gardasee.
Und wenn er heute auf seinem eigenen Rahmen sitzt?
„Da schwingt beim Radeln schon ein wenig Stolz mit. Gehöre jetzt zu den Wenigen, die einen Rahmen selbst gebaut haben.“
Fast 30 Jahre nachdem er zum ersten Mal darüber nachgedacht hatte.
Und der nächste Rahmen?
Direkt nach dem Kurs hätte Achim diese Frage wahrscheinlich noch nicht beantworten können.
Sein Vergleich gefällt mir:
„Ist ein wenig wie beim Marathonlauf. Direkt danach kann man sich den nächsten nicht vorstellen. Mit ein wenig Abstand war’s dann doch toll und man überlegt, den nächsten zu laufen.“
Mittlerweile gibt es also durchaus Gedanken an Rahmen Nummer zwei.
Und diesmal vielleicht nicht alleine.
Achim findet die Idee ziemlich gut, noch einmal einen Rahmenbaukurs zu machen, aber dann gemeinsam mit Freunden.
Er arbeitet daran …








