
Vom Architekten zum Lehrling
27. April 2026Vom Onlinekurs zum eigenen Gravelbike
Martin hat seinen Fahrradrahmen zuhause gebaut.
Fahrräder und Fahrradfahren sind Martins große Leidenschaft. Irgendwann wollte er nicht mehr nur fahren und schrauben, sondern etwas Neues lernen: seinen eigenen Fahrradrahmen bauen.
Als der Online-Rahmenbaukurs von Big Forest Frameworks startete, war für ihn klar: Das probiert er aus.
Martin ist 36 Jahre alt, lebt in Potsdam und ist studierter Schiffs- und Meerestechniker. Handwerkliche Projekte waren für ihn nichts Neues. Er packt gerne selbst an, kennt sich mit CAD aus und besitzt einen 3D-Drucker.
Einen Fahrradrahmen hatte er allerdings noch nie gebaut.
Und vor allem eines war neu: das Hartlöten.
Kann man Rahmenbau wirklich online lernen?
Diese Frage liegt natürlich nahe. Rahmenbau ist schließlich ziemlich weit entfernt von dem, was man sich normalerweise unter einem Onlinekurs vorstellt.
Auch Martin war überrascht:
„Ich bin tatsächlich sehr erstaunt, dass so ein praktisches Projekt auch mit einem Onlinekurs umsetzbar ist.“
Die einzelnen Arbeitsschritte lernte er über den Kurs und die gemeinsamen Online-Termine. Für das Hartlöten nutzte Martin zusätzlich einen Praxistag, den ich für die Teilnehmer in meiner Werkstatt in Potsdam angeboten hatte.
Seine Erfahrung mit CAD und sein 3D-Drucker halfen ihm ebenfalls. Einige kleine Werkzeuge und Vorrichtungen konnte er sich dadurch selbst konstruieren und herstellen.
Das heißt aber nicht, dass der Rahmen einfach so nebenbei entstand.
Ein Gravelbike, das er selbst bauen konnte
Martin wollte ein Rad für Straße, Schotter und Waldwege. Bequem sollte es sein, aber trotzdem schnell.
Ein Gravelbike also.
Beim Design entschied er sich bewusst dafür, nicht alles technisch Mögliche auszureizen. Der Rahmen sollte vor allem so konstruiert sein, dass er ihn mit seinen Möglichkeiten auch wirklich selbst bauen konnte.
Deshalb blieb die Grundform eher klassisch.
Die kleinen Details machten daraus trotzdem seinen Rahmen.
„Durch kleine Details ist es eben doch ein Unikat geworden, was mich sehr stolz macht.“
Zweifel kamen erst beim Bauen
Vor Beginn des Kurses hatte Martin eigentlich keinen Zweifel daran, dass er einen Rahmen bauen könnte.
Die Unsicherheit kam später.
Beim Bauen stellte sich immer wieder eine viel konkretere Frage:
Wird das, was ich hier gerade baue, am Ende wirklich funktionieren und dauerhaft halten?
Gerade vor dem Hartlöten hatte Martin Respekt. Und auch heute sagt er, dass dieser Respekt nicht völlig verschwunden ist.
Das gehört zum Rahmenbau dazu. Man lernt nicht nur einzelne Arbeitsschritte. Irgendwann muss man dem vertrauen, was man mit den eigenen Händen gebaut hat.
Es dauert länger, als man denkt
Eine Sache hat Martin besonders überrascht: wie viele einzelne Schritte in einem Fahrradrahmen stecken.
Er hatte erwartet, schneller fertig zu sein.
Und es gab auch Tage, an denen die Begeisterung nicht gerade riesig war.
„Es gab auch Momente, da hatte ich absolut keine Lust, weiter am Rahmen zu bauen. Also Ausdauer ist definitiv wichtig.“
Ich mag diese Antwort.
Denn einen eigenen Rahmen zu bauen ist ein großes Projekt. Nicht jeder Arbeitsschritt macht Spaß. Manchmal passt etwas nicht. Manchmal muss man zurückgehen und etwas noch einmal machen.
Aber irgendwann ist man fertig.
Plötzlich ist es ein Rahmen
Für Martin kam einer dieser besonderen Momente, nachdem er das Flussmittel vom fertig gelöteten Rahmen entfernt hatte.
Zum ersten Mal konnte er das Ergebnis richtig sehen.
„Den Rahmen in den Händen zu halten, nachdem dieser vom ganzen Flussmittel gereinigt wurde, war ein schönes Gefühl. Vor allem war ich begeistert, dass die Lötstellen ganz gut aussahen.“
Aus Rohren, Zeichnungen und vielen einzelnen Arbeitsschritten war ein Fahrradrahmen geworden.
Sein Fahrradrahmen.
Und wie fährt er?
Inzwischen ist das Fahrrad aufgebaut und Martin fährt damit rund um Potsdam.
Sein Urteil ist angenehm unkompliziert:
„Es ist großartig. Ich steige immer mit viel Freude aufs Rad!“
Die ersten kleineren Touren hat das Gravelbike bereits hinter sich. Als Nächstes soll es auf eine längere Reise durch Deutschland gehen.
Martin weiß dabei natürlich, dass ein gutes Fahrrad aus mehr als dem Rahmen besteht. Komponenten und Abstimmung spielen ebenfalls eine Rolle, und auch dort gibt es noch Dinge auszuprobieren.
Aber das Entscheidende ist geschafft:
Das Fahrrad, auf das er sich setzt, hat einen Rahmen, den er selbst gebaut hat.
War das der letzte?
Nein.
Rahmen Nummer zwei ist bereits in Planung.
Was würde Martin jemandem sagen, der noch überlegt, ob er wirklich einen eigenen Rahmen bauen soll?
Seine Antwort ist ziemlich einfach:
„Wenn ihr zweifelt, ob ihr einen Rahmen bauen sollt, dann macht es einfach. Was soll schon passieren?“





