
Geschützt: Janelli II: Vom Rahmenbaukurs zum Lieblingsgravelbike
1. September 2026„Selber machen ist das Schönste.“ – Emmanuel und sein eigener Edelstahlrahmen
Für Emmanuel war der Wunsch, einen eigenen Fahrradrahmen zu bauen, eigentlich nur die logische Fortsetzung von etwas, das ihn schon sein ganzes Leben begleitet.
Der 57-jährige Franzose lebt heute in der Nähe von Zürich und arbeitet seit 33 Jahren selbstständig als Produktdesigner. Außerdem führt er seine eigene Uhrenmarke Dietrich. Dinge zu gestalten, die er selbst benutzt und liebt, gehört für ihn seit seiner Kindheit dazu.
Als Rennrad- und Gravelfahren immer wichtiger für ihn wurden, entstand deshalb irgendwann der Wunsch nach einem Fahrrad, das wirklich seine eigene Interpretation davon sein sollte.
Ein Rad zwischen Rennrad und Gravelbike
Emmanuel hatte eine ziemlich klare Vorstellung davon, was sein Fahrrad können sollte.
Er suchte ein Rad, das komfortabler als viele moderne Rennräder ist, vor allem mit einer etwas höheren Front. Gleichzeitig sollte es schnell und effizient auf der Straße sein und sich im Winter mit anderen Reifen auch auf Gravel fahren lassen.
Ein Fahrrad für möglichst vieles.
Auch gestalterisch hatte Emmanuel eine klare Linie: Edelstahl, puristisch, schlicht und mit möglichst wenigen Befestigungspunkten.
Die Entscheidung, den Rahmen tatsächlich selbst zu bauen, fiel überraschend spontan. Emmanuel hatte schon länger nach einem guten Stahlrahmen gesucht. Als er von Big Forest Frameworks und der Möglichkeit erfuhr, seinen eigenen Rahmen selbst zu bauen, war die Sache für ihn schnell entschieden.
Der Moment, in dem das Silber fließt
Zweifel, ob er das schaffen würde, hatte Emmanuel kaum. Handwerk war für ihn schließlich nichts Neues. Seit seiner Kindheit verbringt er viel Zeit in Werkstätten, als Designer hatte er immer eine eigene Prototypenwerkstatt, und auch seine Fahrräder hat er schon lange selbst umgebaut, repariert und gewartet.
Neu war für ihn allerdings das Löten mit Silber.
Und genau dieser Moment ist ihm von der Kurswoche besonders im Gedächtnis geblieben:
„Ich fand es fast magisch zu sehen, wie sich das Silber verhält und fließt.“
Für jemanden, der sein Berufsleben mit Materialien, Formen und der Herstellung von Dingen verbracht hat, war es trotzdem etwas völlig Neues, plötzlich die Verbindungen des eigenen Fahrradrahmens entstehen zu sehen.
Berlin statt Zürich
Eine Überraschung während der Woche hatte mit dem Rahmenbau selbst allerdings wenig zu tun.
Emmanuel nennt es den „Berliner Flair“: die Mischung aus professioneller Werkstatt, Hinterhof, Bier am Abend und einem gewissen shabby Look.
Für jemanden, der in der Nähe von Zürich lebt, wo, wie Emmanuel sagt, alles perfekt aussehen muss, war das offenbar ein ziemlicher Kontrast.
Und einer, der ihm gefallen hat.
Und wie fährt es?
Inzwischen ist der Edelstahlrahmen zu einem kompletten Fahrrad geworden und Emmanuel fährt damit seine Lieblingsrunden im Zürcher Hinterland.
Das Ergebnis hat seine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.
Der Rahmen fühlt sich für ihn dynamisch und effizient an, ohne unangenehm steif zu sein. Die individuell angepasste, komfortablere Sitzposition erlaubt ihm längere Fahrten, und auch beim Gewicht gab es eine Überraschung: Das komplette Rad kommt auf nur 8,8 Kilogramm.
Vor allem aber ist es schneller geworden, als Emmanuel erwartet hatte.
Oder, in seinen Worten:
„Wenn du auf einem Stahlrad vorbeiziehst, schaut dir das Carbon-Volk erstaunt hinterher.“
Ein Fahrrad, das mehr bedeutet
Das vielleicht Interessanteste an Emmanuels Geschichte hat aber gar nichts mit Gewicht, Geschwindigkeit oder Geometrie zu tun.
Es ist die Beziehung zu einem Gegenstand, den man selbst gemacht hat.
Emmanuel beschreibt die Bindung zu Dingen, die er selbst baut, als „tausendmal stärker“. Entsprechend stolz ist er auf sein Fahrrad und darauf, mit etwas unterwegs zu sein, das vorher nur eine Idee in seinem Kopf war.
Ob es sein einziger selbstgebauter Rahmen bleiben wird?
Wahrscheinlich nicht.
Im Moment, sagt Emmanuel, sei er noch in der Honeymoon-Phase mit seinem neuen Rad. Aber irgendwann werde es ihn vermutlich wieder kratzen. Und vielleicht wird der nächste Rahmen gar nicht für ihn selbst sein.
Er könne sich sehr gut vorstellen, ein Fahrrad für jemanden zu bauen, den er liebt.
Sein Fazit nach dem ersten eigenen Rahmen ist jedenfalls ziemlich einfach:
„Selber machen ist das Schönste. Probiert es aus!“










